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Baugesuch für «Rettungsbasis»

In Saanen soll eine Helikopter-Basis für die Rega entstehen

Im August 2020 antwortete der Saaner Gemeindepräsident Toni von Grünigen auf Anfrage noch klipp und klar: «Von der Planung einer zweiten Rega-Basis kann derzeit keine Rede sein.» Nun liegt in seiner Gemeindeverwaltung ein Baugesuch auf, nach dem eine Rettungsbasis für Helikopter im 24-Stunden-Betrieb entstehen soll. Darin enthalten ein «Unterstützungsschreiben» der Gemeinde Saanen aus dem Februar 2020 betitelt mit «Rega Basis» – verfasst von Toni von Grünigen und Gemeindeverwalter Thomas Bollmann.

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In Saanen soll eine Helikopter-Basis für die Rega entstehen

© Armin Berger

Die Rega-Basis Zweisimmen: Zukünftig nur noch Tankstelle und Materiallager?

Aus dem Baugesuch und dem damit verbundenen Gesuch zur Anpassung des Betriebsreglements ist deutlich zu erkennen, dass die Pläne für eine Basis für den Rega-Helikopter in Saanen schon sehr weit fortgeschritten sind. Die Pläne enthalten eine detaillierte Darstellung der zukünftigen Basis mit Ruheräumen, vier separaten Duschen, einer Waschküche, einem Materialraum, einer geräumigen Wohnküche und Büroräumen. Ein eigenes Büro für den «Basisleiter» rundet das Paket ab.

Gemeindepräsident von Grünigen wiegelt ab

Dass hinter dem Baugesuch und den zutage getretenen Planungen tatsächlich eine Verlegung des Rega-Helikopters von Zweisimmen nach Saanen zumindest im Winter beabsichtigt ist, bestreitet von Grünigen auf Nachfrage noch immer: «Mit dem … angesprochenen Baugesuch ist weder der angedachte Bau finanziert noch dessen Betrieb definiert. Das Baugesuch ermöglicht eine breite Diskussion, um die Zukunft der Erstversorgung der Region möglichst zielführend für die Bevölkerung und unsere Gäste gestalten zu können.» Wo der konkrete Vorteil «für die Region» liegen könnte bzw. welche «Region» von Grünigen dabei meint, bleibt indes offen.

Gar keine Auskünfte mag der Airport Gstaad zur Angelegenheit geben, der formal das Baugesuch gestellt hat. Und darin von den zuständigen Behörden eine «wohlwollende» Prüfung des Gesuchs erbittet und betont, auf eine «speditive Bearbeitung» angewiesen zu sein: «Aktuell haben wir Platzbedarf und geben nun das Gesuch … ein. … Es ist nun vorgesehen eine Basis einzurichten und zu betreiben». Dass, wie Toni von Grünigen es darstellt, die vorgelegten Pläne noch gar nicht wirklich konkret seien, die Finanzierung nicht gesichert sei und noch eine breite Diskussion in der Bevölkerung geführt werden soll, lässt sich dem Gesuch jedenfalls gerade nicht entnehmen. Nähere Auskünfte wollte der Airport Gstaad allerdings nicht geben.

BAZL soll Nachtflugerlaubnis an Airport Gstaad geben

Zugleich mit dem Baugesuch beantragt die Gstaad Airport AG beim zuständigen Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) auch noch eine Änderung des Betriebsreglements.

Obwohl bereits in den vergangenen Jahren mehr oder weniger regelmässig eine nächtliche Verschiebung des Rega-Helikopters in den Wintermonaten erfolgte, wird erst jetzt beantragt, die Bestimmung «Such-, Rettungs-, Ambulanz- und amtliche Transportflüge unterliegen keinen zeitlichen Einschränkungen» in das Betriebsreglement aufzunehmen.

Rega sieht Möglichkeiten, die Versorgungssituation zu verbessern

In der Sache auskunftsfreudiger ist die Rega. Mediensprecher Adrian Schindler skizziert die Überlegungen der Rega zur Verbesserung der Versorgungssituation – wobei er sich nicht an Gemeindegrenzen orientiert, sondern eher an Flugminuten, Flugrouten und Wetterbedingungen. «Eine Verschiebung des Helikopters nach Saanen könnte zum Beispiel bei unsicheren Wetterverhältnissen sinnvoll sein, weil dann Zweisimmen immer noch über das Simmental von den Rega-Crews der Einsatzbasen Bern oder Wilderswil erreichbar wäre. Die Zweisimmer Crew könnte die medizinische Versorgung des westlichen Berner Oberlands und eines Teils des Waadtlandes von Saanen aus sicherstellen.» Die bei schlechtem Wetter fliegerisch problematische Hürde über Saanenmöser würde damit gar nicht mehr überflogen werden müssen.

«Mit dem geplanten Umbau des Hangars durch die Betreiber des Flugplatzes Saanen hätte die Rega künftig noch mehr Möglichkeiten, die medizinische Versorgung aus der Luft für die gesamte Bevölkerung des westlichen Berner Oberlandes, besonders in der Nacht, weiter zu verbessern», so Schindler weiter. Von einer «Rega-Basis» in Saanen mag er aber nicht sprechen – «Rega-Basen» seien Basen, die voll und ganz auf die Bedürfnisse der Rega abgestimmt seien und der Rega gehören. Das sei bei der in Saanen entworfenen Infrastruktur aber nicht der Fall.

In Saanen soll eine Helikopter-Basis für die Rega entstehen

© Armin Berger

Der Rega-Helikopter beim Start von der Basis Zweisimmen. Zukünftig ein seltener Anblick?

Erstellt am: 07.03.2021

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