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Jagdgesetz: Ohne bessere Regulierung verschwindet Alpwirtschaft

Die Rückkehr der Wölfe bedroht die Alpwirtschaft. Jährlich verbringen rund 700000 Tiere den Sommer auf der Alp. Aufgrund der exponentiellen Ausbreitung der Wölfe hat sich im Jahr 2020 die Situation enorm zugespitzt: Von vielen Alpen mussten die Tiere wegen vielen Rissen vorzeitig ins Tal getrieben werden. Die neu gebildeten Rudel attackieren auch Rindviehherden. Die Wölfe lernen, die Herdenschutzmassnahmen zu umgehen. Eine kontrollierte Regulierung – und damit ein JA zum neuen Jagdgesetz – ist dringend nötig. Ansonsten geht die wohl naturnahste und traditionellste Produktionsart der Schweiz verloren: die Alpwirtschaft.

Von Schweizerischer

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Die exponentielle Kurve der Wolfsentwicklung stellt die Alp- und Landwirtschaft bereits jetzt vor praktisch unlösbare Probleme. Ohne Regulierung wird eine tierfreundliche Weidehaltung von Nutz- und Hobbytieren bald nicht mehr möglich sein – auch in den Agglomerationen.

Wolf – Gefahr für Alpen, aber auch Siedlungs- und Erholungsraum

Die Erfahrung in diesem Jahr zeigt einmal mehr: Auch die beste Ausbildung der Tierhalter und Herdenschutzmassnahmen können Angriffe und Risse nicht verhindern. Der Wolf lernt zudem, dass er akzeptiert wird, und verliert die Angst vor Siedlungsräumen. Das zeigte sich zum Beispiel im Fall des Wolfes im Raum St. Gallen und Thurgau, der sich im Siedlungsgebiet bewegte und in Ställe eindrang.

Haben Freizeit- oder Nutztiere einen Wolfsangriff erlebt, werden sie schreckhaft und aggressiv – auch gegenüber Menschen. Ein weiteres Problem sind die Herdenschutzhunde, welche eine Herde bewachen: Viele Wanderer oder Biker verzichten nach einer angsteinflössenden Begegnung mit einem Schutzhund auf die Benutzung bestimmter Wege oder Gebiete.

Bedrängte Älpler – Es geht nicht nur um die «Anzahl Schäfchen»

Die finanziellen Verluste aufgrund der gerissenen Tiere sind betriebswirtschaftlich für die Alp nicht die relevantesten Punkte. Drei Gründe führen bei starkem Wolfsdruck zur Aufgabe von Alpen:

Der Herdenschutz nach den aktuellsten Empfehlungen ist aufgrund der topografischen Situation auf Alpen nicht umsetzbar oder aber wirtschaftlich längerfristig nicht tragbar.

Die psychische Belastung der Älpler ist zu hoch, wenn die ihnen anvertrauten Tiere unter der ständigen Beobachtung und Bedrohung der Wölfe stehen. Alppersonal springt regelmässig ab oder es kann keines gefunden werden.

Die Tierbesitzer verzichten auf eine Alpung, weil sie Angst vor Verlusten haben (wirtschaftlich und emotional), oder weil die Tiere verängstigt und aggressiv werden.

Bedroht: seltene Rassen, Traditionen, regionale Spezialitäten und Landschaft

Die Alpwirtschaft ist eine der ältesten Produktionsweisen der Schweiz, und dadurch stark mit traditionellem Know-how, einheimischen und standortangepassten Viehrassen sowie Traditionen verbunden. Durch die nachhaltige Bewirtschaftung seit Jahrhunderten hat sie vielseitige Landschaften geschaffen, welche uns beim Wandern schöne Aussichten ermöglichen.

Gleichzeitig finden wir verschiedene Blumenwiesen und andere kleinräumige Lebensräume – eine Biodiversität, welche nur mit Alpwirtschaft weiterhin bestehen kann. Ist die Alpwirtschaft nicht mehr möglich, werden auch Viehrassen wie Schwarzhalsziegen oder Appenzeller Ziegen verschwinden. Deren Besitzer haben keine Möglichkeiten, die Tiere im Sommer im Tal zu halten, sei es wegen mangelndem Futter oder der Arbeitsbelastung.

Die Traditionen rund um die Alpwirtschaft, z.B. Alpabzüge oder Älpler- und Käsefeste gehen verloren. Das Angebot an regionalen Spezialitäten wird verloren gehen – ein Verlust für Konsumenten, aber auch Gastronomie und Tourismus.

Massvolle Regulierung nötig für Koexistenz

Die Revision des Jagdgesetzes, über welches am 27. September abgestimmt wird, gibt die Möglichkeit, massvoll und kontrolliert in die exponentiell ansteigende Kurve des Wolfsbestandes einzugreifen. Eine Ausrottung ist mit diesem Gesetz nicht vorgesehen oder möglich. Wird die Revision des Jagdgesetzes abgelehnt, so muss mit einem dramatischen Rückgang der Sömmerung gerechnet werden.

Der Schweizerische Alpwirtschaftliche Verband (SAV) appelliert deshalb an die Bevölkerung, für eine regionale, naturnahe Produktion einzustehen und am 27. September ein JA in die Urne zu legen.
Alpwirtschaftlicher Verband (SAV)

Erstellt am: 24.09.2020

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