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Natürliche Gleichgewichte statt Abschuss

Die Diskussion um das Jagdgesetz reduziert sich leider oft auf den «bösen» Wolf, der den Bauern das Leben erschwert und den Jägern Rehe, Hirsche und allenfalls ein paar Gämsen streitig macht – dabei geht es auch um die Lockerung der Bestandesregulierung anderer geschützter Tierarten.

Von Andres Christen, Küsnacht

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Aber einmal abgesehen davon, was mich am Meisten stört, ist, dass sich mit ziemlicher Sicherheit viele Wolfsgegner nie die Mühe gaben, sich mit diesem Tier neutral und objektiv auseinanderzusetzen und damit auch die positiven Seiten zu erkennen.

Jedem, der das tun möchte, kann ich wärmstens die SRF DOK Netz Natur «Erklärungen zum Wolf» oder «Die Rückkehr der Wölfe – Das Wunder im Yellowstone-Nationalpark» (lässt sich beides unter dieser Eingabe im Internet finden) und das Buch von Peter A. Dettling «Wolfsodyssee» sehr empfehlen – da wird dann eben, wie im NZZ-Artikel, klar, dass Wolfpopulationen sich einpendeln, wenn die guten Reviere besetzt sind (so stieg die Wolfspopulation im Yellowstone Nationalpark, USA, vorerst auf ca. 170 Tiere und pendelte sich auf ca. 100 Tiere ein, als sich die massive und problemverursachende Überpopulation der Wapiti Hirsche auf einer natürlichen, tieferen Zahl eingependelt hatte).

Viele Jungwölfe überleben ihr erstes Jahr gar nicht (verunglücken, gewildert oder überfahren werden). Die Verluste von Nutztieren auf der Alp durch Wölfe im Vergleich durch Verluste durch Krankheit, Unwetter etc. sind marginal. Letztere gab es ja schon immer, aber darüber wird nie berichtet, da für diese Verluste, ausser vielleicht in einigen Fällen die Tierhalter selbst, niemand verantwortlich gemacht werden konnte.

Sicher ist es für einen Bergbauern vorerst mal ein nicht zu unterschätzender finanzieller Verlust, wenn das Tier nicht weiterhin Wolle oder Milch gibt oder Junge wirft, die verwertet werden können – wie das Muttertier ja auch geschlachtet wird, wenn es wirtschaftlich nicht mehr rentiert, wogegen grundsätzlich ja auch nichts einzuwenden ist. Aber diese Tierhalter werden hierfür entschädigt, sofern es dann wirklich ein Wolf war – und nicht, wie letztes Jahr im Wallis, vorschnell Wölfe für den Tod von sechs Rindern verantwortlich gemacht wurden, die DNA aber nachher ergab, dass es ein Hund war…

Ich frage mich aber schon, weshalb es Interessengemeinschaften, wie etwa die von Thomas Knutti präsidierte «Vereinigung zum Schutz von Wild- und Nutztieren im Berner Oberland», braucht, die sich bei jeder Gelegenheit lautstark für den Abschuss des Wolfes einsetzen – weshalb genau sollen Wildtiere eigentlich vor dem Wolf, dem natürlich Feind, geschützt werden?

Könnte es sein, dass der Jägerschaft sonst im Herbst einige Rehe und Gämsen zum Abschuss fehlen? Es gibt viele Beispiele, z.B. in Whistler, Kanada, wo die Leute mit Raubtieren, hier Schwarzbären, zu leben gelernt haben und geeignete Massnahmen ergriffen wurden, um ungewollten, überraschenden Begegnungen zwischen Bär und Mensch vorzubeugen.

So werden Bären konsequent nie angefüttert, die öffentlichen Abfalleimer bärensicher konstruiert und ab und zu auch einige Orte für Wanderer gesperrt, wenn die Beeren, die für Schwarzbären zum Aufbau ihrer Winterfettreserven sehr wichtig sind, reif sind.

Bei uns wäre es der richtige Herdenschutz, der kostet, aber vom Bund unterstützt wird, sowie alle Massnahmen, die verhindern, dass Wölfe den Geruch von Menschen mit Futter in Verbindung bringen, u. a. das Nicht-Liegenlassen der Eingeweide erlegter Tiere in der Natur – wir werfen unsere Fleischabfälle ja auch nicht einfach auf die Strasse…

Im Übrigen können Wölfe ja auch bei der Ablehnung des Jagdgesetzes weiterhin reguliert werden, wenn sie zu grossen Schaden anrichten, aber eben unter einschränkenden Bedingungen und durch den Bund und nicht lokale Behörden, für die der Abschuss oft einfacher ist, als das problemlose Nebeneinander von Wolf und Mensch zu fördern. Aufgrund einer objektiven Abwägung werde ich zum revidierten Jagdgesetz – ein NEIN einlegen.

Erstellt am: 10.09.2020

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