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Faverge-See auf der Plainmorte

Der Faverge-See ist ausgelaufen

Am Nachmittag des 19. Juli kam der Alarm vom Faverge-See und am späten Nachmittag hat sich der Gletschersee über den Trüebbach zu entleeren begonnen. Mit einer zweiten Spitze, die bis zu 24 m³/s in der Simme brachte, ging der Spuk zu Ende. Es sind kaum Schäden entstanden. War das normal, Glück oder einfach ein Naturereignis?

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Der Faverge-See auf der Plainmorte ist am Mittwochnachmittag, 19. Juli 2017 wieder ausgelaufen

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Im Winter ist der Durchfluss durch den Gletscher des «Glacier de la Plaine Morte» weitgehend zugefroren. Bei Beginn der Schneeschmelze auf rund 2800 Metern über Meer sammelte sich das Wasser, das sich nicht als Oberflächenwasser gegen Norden in den Trübbach entleeren konnte, an den tiefsten Stellen auf der Südseite des Gletschers im Faverge-See. In den letzten Jahren hat sich das Schmelzwasser in den Gletscher eingefressen und aus einem kleinen «Gletscherseeli» wurde ein recht beachtlicher See. Das relativ warme Wasser sucht sich nun jeden Frühling erneut den Weg durch den Gletscher. Unter dem Gletscher bildet sich ein See, in dem die Eismassen zu schwimmen beginnen und den Gletscher anheben, bis der Durchbruch gelingt. Sicher ist, dass die entstehende Wassersäule nach einem Höhenunterschied von rund 200 Metern zwischen dem Favarge-See und der Gletschersohle unter 20 atm hohem Druck steht. Schafft das Wasser irgendwo den Durchbruch, wird der hohe Druck für eine schnelle Öffnung der Durchbruchstelle sorgen. Damit geht das erste Hochwasser mit dem Trübbach gegen Norden und erreicht nach einer guten Stunde den südlichen Dorfeingang.

Bricht das saubere Schmelzwasser aus dem Gletscher, reisst der zunehmende Strom Gletscherschliff (vom Gletscher abgeriebener Felsuntergrund) mit sich und der Trübbach wird trübe. Das Wasser- und Gletscherschliffgemenge ist eine zähe, schleimige Masse, die wesentlich dickflüssiger ist als reines Wasser. Im starken Gefälle bis auf den Rezliberg ist das kein Hindernis. Wenn die Wassermenge bei 20 m³/s bleibt, schafft sie den Talgang ohne Probleme. Wird die Wassermenge grösser, sind bereits die Brücken im Rezliberg in Gefahr.

Naturgemäss sind die Flutwellen eher von kurzer Dauer und die Fachleute erwarten, dass durch die Ableitung in den Chlöpflisberg eine genügend lange Verzögerungszeit entsteht und damit das Oberried und das Dorf Lenk schützt. Unter den Brücken im Oberried passen gute 30 m³/s durch. Im Dorf ist die Kronenbrücke der nächste Engpass. Von da weg wurde die Simme in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts schneller gemacht. Der Holzboden und die glatt verputzten Wände des Simmenlaufes durch das Dorf führen die Wassermengen ohne weitere Probleme Richtung Norden.

Erstellt am: 27.07.2017

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