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30. Jazz Tage Lenk

Eine perfekt abgerundete Jubiläumsausgabe

An den Jazztagen vom 13. bis 22. Juli traten Jazz- und Bluesgrössen aus Übersee, Europa und der Schweiz an der Lenk auf. Am zweiten Wochenende legte die SIMMENTAL ZEITUNG den Fokus auf das Konzert der Schweizer Bluesgrösse Philipp Fankhauser. Das Konzert am vergangenen Freitag war dramaturgisch perfekt abgerundet – wie die Jubiläumsausgabe der Jazztage auch.

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Eine perfekt abgerundete Jubiläumsausgabe

Ein Abschluss in Würden: Die Loverfield Jazzband verlässt die Lenker Bühne nach 47 Auftritten. Ein Stück Lenker-Jazzgeschichte wird archiviert.

Rund 250 Musiker aus der Schweiz, den USA, Italien, Kanada, Frankreich und Deutschland reisten ins Simmental und verwöhnten an die 10 000 Besucher während zehn Tagen auf den Bühnen der «Jazz Tage Lenk». Angenehme Temperaturen und ein stimmiges Programm mit Dixieland, New-Orleans-Jazz und Swing lockten viele Musikbegeisterte an die Lenk.

Fankhauser der Entertainer
Direkt auf Konzertbeginn regnete es am vergangenen Freitagabend grosse, dicke Tränen vom Himmel. Ein äusserst bluesiger und passgenauer Beginn. Philipp Fankhauser ist der erfolgreichste Blueser der Schweiz und lebt die traurig-rotzige und wohltuende Art dieser Musik. Ein Musiker mit Charme und einer mit einem riesigen Flair für Entertainment, Schalk und Dramaturgie.

Der Blick auf die Bühne war nicht überall gegeben. Die Gäste standen dicht gedrängt, nicht nur weil mit rund 1400 Leuten der Kronenplatz an seine Kapazitätsgrenze kam, sondern auch, weil die Zuhörer sich unter die straff gespannten Zeltblachen drängten. Irgendwie waren alle anfangs noch etwas damit beschäftigt, nicht nass zu werden. Vielleicht gab es auch einige unter dem Publikum, die noch gar nicht so recht wussten, was der dort vorne genau für Musik spielt. So begann das Konzert. Und Fankhauser, der Entertainer, nahm die Herausforderung an.

Vom «Kassettli» zum Funkensprung
Fankhauser und seine elfköpfige Band spielen eine perfekte Mischung zwischen cleanem und authentischem Blues. Ungemein sauber ist der Sound der Band. Darüber grunzt und schnurrt der Frontmann seine Melodien. Dies ist eine unverschämt schöne Kombination. So hört sich wohl perfekter Blues an. Nach vier bis fünf Liedern liess der Regen etwas nach. Das Publikum startete die ersten Mitklatsch- und Wippversuche. Doch für Fankhauser war dies noch zu wenig. So wechselte er bei seinen Zwischenkommentaren die Sprache von Englisch auf Berndeutsch. Die Solos wurden energiegeladener, die Band beendete die Songs mit dem obligaten Auskübeln und der Frontmann wurde etwas frecher. Die Dramaturgie des Konzertes steigerte sich von Song zu Song. Die Band groovte mehr und mehr, die Klatscherei orientierte sich öfters am Offbeat und Fankhauser umgarnte das Lenker Publikum mit dem Verkauf seiner neuen CD, die es nun auch als LP oder sogar als «Kassettli» gäbe. Dazu Fankhauser: «Heute kann Musik gestreamt, gestohlen, kopiert, vermailt und verissen werden. Darum haben wir gefunden, dass wir im heutigen Digitalzeitalter wieder ein ‹Kassettli› machen.» Dann sprang der Funken. Alle fühlten sich plötzlich unter der Zeltblache angekommen, dies trotz anhaltendem Regen. Das Konzert endete fulminant und selbstverständlich nicht ohne Zugabe. Wie manches «Kassettli» als Erinnerungsstück anschliessend verkauft wurde, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.
Zwei Wochen Jazz und Blues
Die 30. Jazz Tage Lenk waren auf der ganzen Linie ein voller Erfolg. Vom ersten Konzert an sprang der Jazz-Funke auf die zahlreichen Besucher. Mit der Dutch Swing College Band am Samstag und einem überragenden Boogie Woogie Konzert von Nico Brina und Chris&Mike wurde die Welle der «Standing-Ovations» bei jedem Konzert fortgesetzt. Weiteres Highlight im Programm war die US-amerikanische Blues-Sängerin Shemekia Copeland, welche die Herzen des Publikums von der ersten Note an mit ihrer fantastischen Stimme und ihrer herzlichen Art geöffnet hatte. Einen Glanzpunkt setzte auch Pepe Lienhard mit seiner Big Band. Ein Jazz Standard jagte den nächsten, von «In The Mood» bis «The Lady is a Tramp». Big-Band-Fans kamen hierbei voll auf ihre Kosten.

Die Lenk gehört während den zehn Tagen des Festivals zweifellos zu den Hot Spots der Traditional-Jazz-Fans. Das Dorf füllt sich mit einer bunten Zuhörerschar, Musikern aus aller Welt und swingenden Klängen an allen Ecken. Die Organisatoren verzeichnen einen Anstieg der Besucher, was auch mit dem tollen und abwechslungsreichen Programm zusammenhängt.

Wie ein Mangosorbet
Andreas Beer, zuständig für Medien und Programm, war von der Jubiläumsausgabe begeistert: «Es waren für mich die besten und die am meisten in sich abgeschlossenen Jazztage, seit ich dabei bin. Es war wie ein Mangosorbet, harmonisch perfekt und stimmig.» Das Wetter spielte meistens mit, der Besucheraufmarsch war enorm, Musiker, Besucher Organisatoren zeigten sich sehr zufrieden. Die Jazztage feierten ihr 30-jähriges Bestehen. Weit mehr als dreissig Konzerte spielte die Loverfiel Jazzband an der Lenk. Rechnet man die Konzerte an den Aussenstandorten, die Kinderkonzerte und die Konzerte auf der Hauptbühne zusammen, kommt die Kultband auf 47 Auftritte. Und nun ist endgültig Schluss – irgendwie traurig. Was bleibt, sind die Erinnerungen und der feine Nachgeschmack an tolle Konzerte oder eben an das harmonische Mangosorbet.
Eine perfekt abgerundete Jubiläumsausgabe

Philipp Fankhauser beehrte mit seinem authentischen Blues die Lenker Jazztage.

Erstellt am: 26.07.2018

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