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Ein besonderer Palmsonntags-Gottesdienst in Oberwil

Begegnungen mit dem Tod – und mit dem Leben

«Wenn das Weizenkorn, das in die Erde fällt, nicht stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, trägt es viel Frucht»; mit diesem Wort aus dem 12. Kapitel des Johannes-Evangeliums begann und endete der aussergewöhnliche Gottesdienst am Palmsonntag in der reformierten Kirche von Oberwil. Die Rahmen-Erzählung war schon Teil des Programms, das Pfarrerin Alexia Zeller und Prädikantin Hilde Teuscher zusammen mit einer Reihe von Künstlern zusammengestellt hatten. Allesamt Künstler, die dem traditionsreichen Ort tief verbunden sind. Olga Aegerter ist darunter, die Oberwiler Malerin, Sabine Zahler, Floristin und ebenfalls Malerin, und Salomé Bäumlin, Designerin und Objektkünstlerin.

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Begegnungen mit dem Tod – und mit dem Leben

© Martin Natterer

Beitrag von Sabine Zahler: «Passionsblume & Passionsfrucht»

Es war Palmsonntag, und es war ein besonderer Gottesdienst, der sich in der Mauritiuskirche an der historischen Alten Simmentalstrasse abspielte: Es war eine Krönung, ein Todesleiden und Begräbnis, aber auch Triumph des Lebens. Allesamt fast szenisch dargestellt in einem Durchgang durch Stationen der letzten Tage von Jesus von Nazareth. Eine Art «Tagesbilder» sind so entstanden, «Sequenzen», wie sie Alexia Zeller genannt hat, die aus der Auseinandersetzung der Künstlerinnen und Künstler mit den letzten Tagen und Stunden des aussergewöhnlichen Menschen Jesus entstanden sind.

Eingebettet in die Liturgie des Palmsonntags, der an den royalen Einzug Jesu in Jerusalem erinnert, war aber eine dramatische Liturgie des «Kreuzwegs», der in vielen Stationen («Sequenzen») an den «Weg der Schmerzen», an die «Via Dolorosa» in Jerusalem erinnert.

Was ist ein Kreuzweg?

Das Oberwiler Projekt «Kreuzweg» war ursprünglich als «Plan B» gedacht, falls der Ostergottesdienst erneut ausfallen müsste. Nun wurde es aber freudig aufgenommen, und das Projekt knüpft an eine jahrhundertealte Tradition an, die bis heute in der anglikanischen und der katholischen Kirche lebendig sind. In dieser Tradition gehen gläubige und suchende Menschen an gut einem Dutzend Stationen vorbei und setzen sich mit den Szenen des Leidensweges und der Auferstehung Jesu Christi auseinander.

Coronabedingt war das nicht möglich, und so haben die konzipierenden Frauen den Spiess umgedreht: Während die Oberwiler Gemeinde – gut verteilt und mit den obligatorischen Masken – in den Kirchenbänken sass, bewegten sich die beiden Verantwortlichen Alexia Zeller und Hilde Teuscher von Station zu Station. Sie rezitierten dabei die für die jeweilige Station leitenden Bibelworte und lasen die Kernstellen aus den Kirchenliedern vor, die Organistin Anna Stettler in weicher, inniger und bisweilen tief getragener Weise an der Orgel vortrug.

Das Osterfest als Appell zur Nachfolge

Zusammengefasst am Ende wird es in der Wiederholung des Eingangswortes: Das ersterbende Weizenkorn ist schliesslich auch ein Vorbild für uns, die wir zum erfüllten Leben kommen können: Durch freudige Hingabe, dem einen Vorbild folgend, das Inbild unserer Erlösung ist und Abbild des einen Gottes.

Denn der ist, so die Botschaft, da, wo wir seine Achtsamkeit und Hingabe spiegeln: « Ubi caritas et amor, ibi deus », wo «Mildtätigkeit und Liebe ist, da ist Gott». So fasst es der zitierte Hymnus aus dem 9./10. Jahrhundert zusammen.

In der kommenden Osternacht, am Abend des 3. April 2021, wird das Ganze wiederholt: Mit anderen Akzenten, mit anderen Liedern, aber mit derselben Botschaft. Es ist der Kern des christlichen Glaubens, szenisch vorgeführt, in Worten, Liedern und Kunstwerken.

Begegnungen mit dem Tod – und mit dem Leben

© Martin Natterer

Beitrag von Salomé Bäumlin: «Illumination»

Erstellt am: 04.04.2021

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