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Ein alter leckerer, gesunder Simmentaler Brauch lebt weiter

Grossartiges Gemeinschaftswerk fürs «schwarze Gold»

Ein guter Blick, eine Portion Kraft und eine Menge Geduld: 1714 Kilogramm Kirschen wurden in Wimmis beim traditionellen Chirschmueset während sechs Tagen verarbeitet. Die Ausbeute des «schwarzen Goldes» lag nahe bei 400 Kilogramm.

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Chirschmueset

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Viele fleissige Helfer erlesen die frischen Kirschen.

Die Kirschen werden nach Anlieferung von Hand erlesen und danach gemixt.

Nach dem Streifen werden Brei und Steine entleert.

Mit zwei Stöcken wird die Masse durch ein spezielles Käsetuch gestrichen (ausgepresst).

Während des Kochens muss ständig gerührt werden – zwischen 12 und 14 Stunden lang.

Mit zwei Stöcken wird die Masse durch ein spezielles Käsetuch gestrichen (ausgepresst).

Der dicke Saft wird samt Steinen fürs Streifen eingefüllt.

Seit 1634 ist das Chirschmueset bekannt und seit 35 Jahren (ab 1982) wird dieser beliebte Brauch von Wimmis Tourismus organisiert. «2015 reichten 800 Kilogramm Chirschmues bis Ostern 2016. Im selben Jahr gab es jedoch keine Kirschen», erzählte Werner Länganger, der die Fäden zieht, mitorganisiert, damit der Brauch weiterlebt. In der vergangenen Woche war es wieder so weit, Lengacher legte mit Herzblut Hand an und verarbeitete mit 120 Freiwilligen der Musikgesellschaft und Wimmis Tourismus während sechs Tagen rund um die Uhr 1,714 Tonnen schwarze Kirschen zu 400 Kilogramm Chirschmueset. «Fünf Kilogramm Kirschen ergeben ein Kilogramm des wertvollen verdickten Saftes. Vorab wurden die angelieferten Kirschen von Hand erlesen. Gerade rund zwölf von 800 Kilogramm Kirschen waren unbrauchbar. Für die einwandfreie Qualität bezahlte das gut eingespielte Team per Kilogramm 3.50 Franken. «Wir konnten auf die Lieferanten Briggen und Schranz, Riedern; Wolf und Brenzikofer, Spiez zählen», freut sich Lengacher.

Kraft und Geduld

Während die Kirschen ausgemustert wurden, begannen weitere Equipen mit Mixen und mit zwei Stöcken den gesamten Brei samt den Kirschsteinen durch ein spezielles Käsetuch zu streichen (auszupressen). Auf dem Holzfeuer wurde der gesiebte, naturreine Kirschensaft im kupfernen Käsekessi unter ständigem Rühren zu einem Dicksaft eingekocht. Erst nach zwölf bis 14 Stunden galt es das «schwarze Gold» in Gläser abzufüllen. Dazu kam Lengacher eine Geschichte in die Finger: An einem Morgen kommt ein Passant beim Chirschmuesplatz vorbei und sieht wie das fertige Mues aus dem Käsekessi zum Abfüllen in Gläser, gehoben wird. Weil er den Chirschmueset nicht kannte, meinte er kurz und trocken: «Wollt ihr jetzt damit die Löcher im Strassenbelag flicken?»

Leckeres Mues vielseitig einsetzbar

Nun heisst es wohl, das Chirschmues richtig anzuwenden, sei es als Brotaufstrich, zu geschwellten Kartoffeln, mit Ziger, mit Mehlrösti, Füllung für Spitzbube. Es wird auch als bewährtes Hausmittel eingesetzt gegen Erkältung und für die Anregung der Verdauung. Zudem ist das Chirschmueset ein gesunder Leckerbissen für Diabetiker. Zum Geniessen kann gar Musik gehört werden. Es wurden Gedichte und Lieder geschrieben. Anni Lehnherr selig vom Mühlibächli in Wimmis komponierte die Chirschmuespolka.

Der Verkauf begann am vergangenen Donnerstag im Tourismusbüro, Bahnhofstrasse und bei der Molkerei Lehnherr, Mühligasse in Wimmis. Weiter ist der edle Saft, der in Gläser von einem halben Pfund, einem halben Kilo und einem Kilo auch in der Landi Spiez erhältlich.

Erstellt am: 15.07.2017

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