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Mosaik-Rettung gescheitert

Kein Happy-End für das Kunstwerk von Karl Gerber

Vor dem geplanten Abriss des Raiffeisen-Gebäudes in der Zweisimmer Farbgasse erinnerte sich Ex-Gemeinderatspräsident Ernst Hodel an das dortige Wand-Mosaik des Zweisimmer Künstlers Karl Gerber (1912– 1974). Das lange Jahre hinter einer Gipsplatte verborgene Mosaik in der Schalterhalle sollte freigelegt und gerettet werden. Hodel setzte alle Hebel in Bewegung, musste nun aber aufgeben: Auch mit professioneller Hilfe ist eine Rettung nicht mehr möglich.

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Karl Gerber Mosaik in Zweisimmen

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© Armin Berger

Michael Müller bei der Arbeit: ein erstes Element des Mosaiks (rechts oben) ist markiert und verklebt, um von der Wand abgelöst zu werden.

© Armin Berger

Fest verbunden: Die Glassteine wurden von Karl Gerber mit sehr robusten Materialien auf der Ziegelwand befestigt.

© Armin Berger

Einzelne Steine aus dem Mosaik. Gerber verwendete gefärbtes Glas, aber auch Natursteine.

© Armin Berger

Detailansicht von Gerbers Mosaik der «Justitia».

© Armin Berger

Aus vielen kleinen Steinen ein grosses Ganzes zusammengesetzt: das Mosaik von Karl Gerber.

© Armin Berger

Blick auf das Mosaik mit der Arbeitsbühne von Restaurator Michael G. Müller.

Die Hilferufe von Ernst Hodel schienen erhört worden zu sein: Neben Finanzierungszusagen wurde kurzfristig auch der im deutschen Kerpen-Buir ansässige Mosaikrestaurator Michael G. Müller gefunden, der schon so manches Mosaik an einem Ort entfernt, aufgearbeitet und an einem neuen Ort wieder hat erstrahlen lassen. Müller reiste kurzfristig am Samstag, 6. Februar, mit seiner Ausrüstung nach Zweisimmen, um Gerbers «Justitia» in der Schalterhalle zu begutachten, und einen Plan für den Abbau zu erstellen.

Müller wollte das grossformatige Mosaik mit einer Grösse von ca. 250×200 Zentimetern in kleinere Elemente von ca. 30×30 Zentimeter aufteilen. Mit solchen handhabbaren Stücken wäre das Kunstwerk «transportabel» geworden – kleinere Schäden an den Übergängen hätte Restaurator Müller mit geringem Aufwand ausbessern können.

Nicht von der Wand zu kriegen

Doch leider kam es anders. Gerber verwendete Materialen, die wohl bis in alle Ewigkeit gehalten hätten und auch Hodel bestätigt: «Der Demontage-Aufwand ist aufgrund des verwendeten, äusserst ‹robusten› Untergrund-Materials sehr viel grösser als angenommen.» Auch eine Demontage der ganzen Wand kam nicht in Frage, da sich an der Rückseite eine Treppe befindet.

Nach vielem Hin und Her und dem Ausloten aller Alternativen musste das Vorhaben letztlich am Montagnachmittag abgebrochen werden: «Die Mosaiksteine lassen sich nur als Einzelstücke demontieren», so Hodel. Und müssten dann Stück für Stück ausgebessert, beschädigte Stücke ersetzt und wieder zusammengefügt werden. Ein enormer Aufwand, der zeitlich und finanziell die Möglichkeiten von Hodel und seinen Helfern sprengt: «Schweren Herzens haben wir uns entschliessen müssen, die Übung abzubrechen.»

Erstellt am: 09.02.2021

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