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Stockhorn-Themenabend mit Kabarettist Bänz Friedli

Sein berndeutsches Lieblingswort: «Scharwänzle»

Zum Abschluss der heurigen Themenabende auf dem Stockhorn wartete am 10. November der mit Berner Wurzeln ausgestattete Kabarettist und Autor Bänz Friedli auf und begeisterte gut hundert Zuhörende mit seinem kritischen, aber durchaus auch witzigen und geistreichen Überraschungsprogramm.

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Sein berndeutsches Lieblingswort: «Scharwänzle»

Kabarettist Bänz Friedli genoss mit Stockhornbahn-Marketingleiter Michael Künzi den beeindruckenden Rundblick auf dem Stockhorn.

Ich weiss nicht, ob es Ihnen vergangenen Montag auch so ergangen ist: Das Migros-Magazin aus dem Briefkasten, die ersten rund zwanzig Seiten durchblätternd, vermisste ich schon das, was mir sonst wöchentlich das Magazin mit Spannung und Freude erfüllt: Die aus dem Leben gegriffene Kolumne von Bänz Friedli! Mit leisem Bedauern legte ich das Magazin zur Seite, um kurz darauf leicht süffisant zu realisieren, dass diese Woche dafür ein Bericht mit Bänz Friedli in der SIMMENTAL ZEITUNG erscheinen wird. Nicht von, sondern über ihn!

Emsige Vorbereitungsarbeiten
Grund dafür war sein Auftritt auf dem 2139 Meter hohen Stockhorn. Friedli genoss Bahnfahrt und Aussicht und war ehrlich verwundert, dass so viele Menschen seinetwegen des Nachts auf das Stockhorn pilgern. Und sie taten dies mit grosser Freude und Vergnügen und sollten es auch nicht bereuen!

Vorab wurde aber noch der letzte Themenabend dieser Saison im Panoramarestaurant akribisch vorbereitet: Die Küchencrew unter Mike Aebersold bereitete die herbstlich gefärbten, kulinarischen Köstlichkeiten vor, das Gastroteam unter Rosmarie Thönen richtete derweil den Speisesaal liebevoll ein, Michael Künzi stellte die Bühne auf und Bänz Friedli stimmte die Verstärkeranlage ein: Eine ruhige, zielgerichtete Stimmung lag über dem emsigen Wirken, während draussen allmählich die Nacht hereinbrach.

Jüngster Politiker der Schweiz
Der gebürtige Berner Bendicht «Bänz» Friedli verbrachte seine Jugendzeit im bernischen Uettligen, was sein immer noch breites Berndeutsch, das er (glücklicherweise) nie abgelegt hat, auf sympathische Art und Weise verdeutlicht. Seine politischen Ambitionen stellte er schon als Jungspund und mit 20 Jahren jüngster Politiker der Schweiz unter Beweis: Während vier Jahren war er im Gemeinderat Wohlen, wo er das Ressort Jugend und Kultur leitete.

Später zog es ihn nach Zürich, wo er heute als Hausmann, Autor und Kabarettist mit seiner Familie lebt und arbeitet. Mit spitzer Feder kommentiert er als Kolumnist in verschiedenen Printmedien das Alltagsgeschehen. Daraus sind charmante und witzige, aber auch philosophische und provokante Werke mit Geschichten aus dem Alltag entstanden.

So schrieb er von 2005 bis 2015 im «Migros-Magazin» wöchentlich die Mutter aller Familienkolumnen «Der Hausmann». Seit 2015 erscheint seine Kolumne mit offenem Themenspektrum unter dem Titel «Bänz Friedli». Er ist zudem Kolumnist der «BLS-Gazette» und bestreitet regelmässig die Samstagssatire «Zytlupe» auf Radio SRF1; die nächste erscheint Ende November.

Literarische Leckerbissen präsentiert
Auf dem Stockhorn las Friedli zwischendurch Episoden aus seinem neusten Kurzgeschichten-Buch «Es ist verboten, übers Wasser zu gehen» vor. «Ja, der Friedlibänz ist einer, der sich berühren lässt und mich deshalb so berührt», schreibt Bühne Huber, Sänger von Patent Ochsner, in seinem Vorwort zum Buch: «Ich kenne hierzulande niemanden, der den Mahnfinger so wunderbar selbstironisch, freundlich und versöhnlich erheben kann wie er».

Auch aus dem gemeinsam mit Bernhard Giger, Pedro Lenz und Klaus Zaugg spontan herausgegebenen «Wo das Tram nicht hinfährt, sind wir daheim – das YB-Meisterbuch 2018» las Friedli vor; schliesslich schlägt sein Herz seit jeher gelb-schwarz. Am Stockhorn-Abend mutierte Friedli für einmal jedoch zum FC Thun-Fan und freute sich diebisch über den 4:2-Heimsieg in der Stockhorn-Arena gegen den FC-Basel.

Neben der grossen Affinität zu Fussball und Musik ist Friedli ein feiner Beobachter und hat die seltene Gabe, das Beobachtete in Worte zu packen, die die Zuhörenden zum Lachen, aber auch zum Nachdenken anregen, so auch mit zeitgenössischen Themen und politischen Aktualitäten.

Kabarettistische Kostproben
Friedlis Bezug zum Simmental und zur näheren Umgebung ist gar nicht allzu weit herzuholen: Seine Kindheitserinnerung sind stark mit Skifahren, zuerst in Adelboden und später an der Lenk verbunden. «Ich liebe noch heute den gesamten Schneesportferien-Skihütten-Groove. Dabei habe ich in den 80er Jahren noch Unterschriften gesammelt gegen die Schneekanonen. Und heute bin ich ehrlich gesagt froh darum», gestand der begeisterte Snowboarder, der seine Wintersportferien heute allerdings im Bündnerland verbringt. Dafür besorgt er Chindbetti-Geschenke inform von Holzkühen beim Trummer in Adelboden. Als Jungspund sammelte er Unterschriften gegen die Autobahn N6 und den damit verbundenen Rawiltunnel. Und immer, wenn Wahlen im Bernbiet anstehen, fragt er sich schmunzelnd, ob die Landwirte für das Aufstellen von «Visagen auf ihrem Bitz» Direktzahlungen erhalten.

Aber auch Friedlis Schwiegermutter vertiefte seinen Bezug zum Simmental, wuchs diese doch in Reidenbach auf, weshalb er mit ihr immer mal wieder nach Boltigen kam. Als er der inzwischen Verstorbenen mal ein Sonntagsmenu kochte, meinte diese relativ sec: «Me chas näh». «Was soviel heisst, wie «wez nid chasch frässe», übersetzte Friedli simultan ins Berndeutsche. Gut, lieber Bänz Friedli, man kocht einer Simmentalerin primär auch nicht einen Kalbsbraten an Rhabarbersauce!

Doch der kulinarische Bogen war so gezogen und als Friedli das für ihn wenig aussagende «Überraschungsprogramm» kurzerhand dem vorzüglichen Menü entsprechend zum Themenabend «Wildsau» umbenannte, war das Publikum vollends auf seiner Seite.

Erfolgreiche Themenabende
Stockhorn-Marketingleiter Michael Künzi genoss den letzten Themenabend ebenfalls: «An insgesamt zwölf Abenden konnten wir heuer rund 800 Personen begrüssen, was so viel war wie noch nie. Als Highlights haben sich drei Anlässe herauskristallisiert: Zum einen der grossartige Start im Mai mit Schreiber vs. Schneider, die einmalige 68er-Party zum 50-JahrJubiläum der Stockhornbahn anfangs Oktober sowie der am besten besuchte Themenabend mit Bänz Friedli – alles in allem ein krönender Abschluss», zeigte sich Künzi sehr zufrieden.
Sprachwitz fürs neue Programm
Aktuell stürzt sich Bänz Friedli kopfvoran in sein viertes Bühnenprogramm «Was würde Elvis sagen?», welches er ab Ende Januar spielt. «Ab nächster Woche ist deshalb intensives Arbeiten an diesem Programm angesagt». Dank langjähriger Erfahrung weiss Friedli, dass er den Druck braucht und in dieser Phase extrem kreativ ist. 2013 schuf er in lediglich zwei Tagen mit «Gömmer Starbucks? Bänz Friedli macht sich einen Reim auf die Jugend» erstmals ein thematisch ausgerichtetes Kabarettstück und erhielt dafür 2015 den bedeutendsten Kleinkunstpreis im deutschsprachigen Raum, den «Salzburger Stier»

«Die Ansprüche an mich selbst sind natürlich in den letzten Jahren gestiegen und ich mache mir manchmal das Leben selber schwer», gestand der 53-Jährige, der seine Familie zu den aufrichtigsten, aber auch härtesten Kritikern zählt. Im westlichen Berner Oberland würde es übrigens durchaus noch eine Aufführung des neuen Programms vertragen: «Ich spiele sehr gerne in klassischen ‹Beizen-Sääli› oder Mehrzweckhallen. Interessierte können sich gerne bei uns melden», meinte er verschmitzt.

«Ein richtiggehend friedlicher Abend war das auf dem Stockhorn», meinte meine liebste Brotverkäuferin beim kurzen Einkaufsschwatz rückblickend. Erst beim zweiten Hinhören bemerkten wir die durchaus treffende Wortwahl. Nach lautem Gelächter entschied ich mich: Das passt! Also, Friedlibänz, dein Auftritt auf dem Stockhorn war ausgesprochen friedli.ch, pointiert und amüsant, Dankeschön!

Sein berndeutsches Lieblingswort: «Scharwänzle»

Seine Lieblingsfarbe ist gelbschwarz: Trotzdem fante Bänz Friedli vergangenen Samstag auch für den FC Thun.

Erstellt am: 18.11.2018

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