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Schweizer Medien berichteten über eine Kuh in Boltigen, die von einer Schlange totgebissen worden sei.

Starb die Kuh auf Reidigen Alp wirklich durch einen Schlangenbiss?

Eine tote Kuh auf «Reidigen Alp» sorgte zuerst in der Bauern Zeitung und dann in den grossen Medien für Schlagzeilen. Sie soll von einer Schlange totgebissen worden sein. Die Recherchen der SIMMENTAL ZEITUNG bei den zuständigen Ämtern und bei den amtierenden Tierärzten aus der Region haben ergeben, dass die Todesursache der Kuh sehr unwahrscheinlich bei einem Schlangenbiss liegt!

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Starb die Kuh auf Reidigen Alp wirklich durch einen Schlangenbiss?

Verbreitungsgebiet der Vipera Aspis in der Schweiz.

Im Berner Oberländer stand: «Eine Kuh ist auf einer Weide in Boltigen von einer Giftschlange gebissen worden. Sie ist an den Folgen gestorben». Landwirt Thomas Brönnimann fand das Nutztier eines Morgens vor rund drei Wochen tot auf der Weide vor. «Das Euter war kohlrabenschwarz und man habe die Schlangenbisse genau erkennen können», zitiert die Bauern Zeitung eine Älplerin.

Befragung der regionalen Tierärzte
Zwei erfahrene Tierärzte aus dem Simmental wollten den Schlangenbiss nicht bestätigen. Ein Schlangenbiss könnte einen anaphylaktischen Schock auslösen, der zum Tode führen kann, dann aber wäre das Euter kaum schwarz. Das schwarze Euter deute eher auf eine bakterielle Infektion hin. Sie sprachen von der in Neuseeland zum ersten Mal festgestellten Krankheit «Blue Bag», die nach einer Infektion rasch zum Tode der Tiere führe. Eine weitere Möglichkeit sahen sie bei einer Verletzung am Euter und einer späteren Blutvergiftung (Sepsis). Damit man die Ursache des Todes eindeutig hätte feststellen können, hätte man wissen müssen, wie lange die Kuh alleine auf der Wiese gelegen hat, meinen die Tierärzte.

Beide Tierärzte haben in ihrer Praxiszeit von 40 Jahren im Simmental keinen Kuhtod in Folge eines Schlangenbisses erlebt.

Was sagen die Ämter dazu?
Das BAG, der Veterinärdienst des Kantons Bern und der toxikologische Informationsdienst sehen den Tod einer Kuh durch einen Schlangenbiss als möglich, aber unwahrscheinlich. Statistisch ist im Berner Oberland in den letzten 30 Jahren kein Kuhtod in Folge eines Schlangenbisses registriert worden. Der letzte Schlangentod bei Menschen im Berner Oberland liegt fast sechzig Jahre zurück.
Zur Population der giftigen Schlangen im Berner Oberland
Die beiden vorhandenen Giftschlangenarten der Schweiz, die Aspisviper Vipera aspis und die Kreuzotter Vipera berus, lassen sich nur aufgrund weniger, schlecht sichtbarer Merkmale sicher von ungiftigen Arten unterscheiden. Beide Arten bleiben aber klein und werden im Gegensatz zu vielen harmlosen Nattern selten mehr als 70 Zentimeter lang. Die Männchen werden allgemein etwas länger und bleiben schlanker als die Weibchen. Die Aspisviper besiedelt vorab die sonnigen Hanglagen des Jura und der Alpen, von den Tieflagen bis auf weit über 2000 m ü. M. Die Ausdehnung ihrer Lebensräume variiert je nach deren Gestalt von einigen hundert Quadratmetern bis zu mehreren Hektaren.

Im Gebirge liegen zwischen bestimmten Überwinterungsstellen wie Geröllhalden oder steinigen Wäldern und Sommer-Standorten wie Steinriegel oder Hecken oft mehrere hundert Meter. Im Sommer sind trächtige Weibchen sesshafter als die übrigen Tiere einer Population, weil sie – oft bis zur Geburt der Jungtiere – kaum fressen.

Die Schlangen reagieren bei einer Begegnung mit Menschen und Tieren zuerst mit schneller Flucht. So sollten wir uns auch verhalten (besser ohne Selfie!). Unsere heimischen Schlangen müssen arg in Bedrängnis sein, bis sie sich zur Wehr setzen.

Der letzte, für einen Menschen tödlich verlaufene Biss einer Bergviper datiert in den Sommer 1960. Bei ärztlicher Behandlung wird das Gegengift gespritzt. Danach verläuft die Verletzung fast immer ohne Folgen.

Die SIMMENTAL ZEITUNG kommt, wie auch Tele Bärn, nach gründlicher Recherche zum Schluss, dass es kaum realistisch ist dass die Kuh alleine wegen des Schlangenbisses gestorben ist.

Erstellt am: 14.10.2019

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