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Theater des Vereins Szenewächsel

«Chrankezimmer 212» – Premiere ist erfolgreich gelungen

Unter der Regie von Christine Schwizgebel zeigt der Verein Szenewächsel dieses heitere Stück über den Spitalalltag. Die gelungene Umsetzung zeigt jedoch nicht nur Humoriges, sondern weist auch sanft auf die Probleme des Älterwerdens hin. Alltägliche kleine Abgründe tun sich auf und schliessen sich wieder – zumindest meistens…

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«Chrankezimmer 212» – Premiere ist erfolgreich gelungen

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© Alexander Zwahlen-Simonett

Die «Szenewächsler» sind bereit für die Premiere!

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Matthias Moser wird zu Professor Winkler.

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Aschi Renfer (Göpf Janz) wird «verwundet».

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Noch sind die Betten leer….

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Ob die Infusion wirklich nur Requisite ist?

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Schwester Vreni (Nathalie Moser-Hehlen) richtet die Betten.

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Schwester Anita (Christine Schwizgebel) kann’s nicht fassen!

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Patientin Lina Balsiger (Elsbeth Zeller) ist schrullig – oder doch normaler, als man denkt?

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Schwester Anita (Christine Schwizgebel) zeigt gegenüber Patient Hans Wälti (Peter Rohrbach) Mitgefühl.

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Die Sozialarbeiterin (Sabrina Kurzen) sorgt sich um das Wohl der Patienten.

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Schwester Anita (Christine Schwizgebel), Patient Aschi (Göpf Janz) und Jass-Kollegin Lina Balsiger (Elsbeth Zeller) in Aktion.

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Patient Wälti (Peter Rohrbach) putzt seine Zähne.

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Privatpatient Stähli (Urs Roos) bei der täglichen Gymnastik.

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Patient Aschi (Göpf Janz) lässt sich von Schwester Vreni (Nathalie Moser-Hehlen) versorgen.

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Franzi Bareuther alias Lisbeth Stähli weiss, was sie will.

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Die Patienten Hans Wälti (Peter Rohrbach), Albert Stähli (Urs Roos), Aschi Renfer (Göpf Janz) und Lina Balsiger (Elsbeth Zeller) mögen und necken sich.

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Ehepar Stähli (Franzi Bareuther, Urs Roos) verabschieden sich vom Publikum.

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Wer fehlt denn noch? Die Theatergruppe Szenenwechsel kurz bevor der Vorhang fällt.

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Der Vorhang schliesst sich, die Zimmergenossen Aschi Renfer (Göpf Janz) und Hans Wälti (Peter Rohrbach) winken dem Publikum zu.

© Alexander Zwahlen-Simonett

Regisseurin Christine Schwizgebel.

Ernst Renfer (Göpf Janz), ein Mann in den besten Jahren, findet sich nach einem Unfall mit seinem «Töffli» im «Chrankezimmer 212» wieder. Mit der Diätküche hat er seine liebe Mühe – zum Glück steht ihm sein Zimmerkollege Wälti (Peter Rohrbach) zur Seite. Dessen Appetit ist nach einer Magenoperation nicht gerade gross. Privatpatient Stähli (Urs Roos) gesellt sich zu den Leidgeprüften und entpuppt sich bald als grosser Kartenspieler. Ganz zum Leidwesen seiner resoluten Ehefrau Lisbeth (Franzi Bareuther), die ihn lieber im einsamen Privatzimmer sähe.

Doch zum Jassen braucht es vier und so gesellt sich die schrullige Patientin Lina Balsiger (Elsbeth Zeller) von der Abteilung «G» hinzu. Bei dieser Zimmerbelegung dürfen die Krankenschwestern Vreni (Nathalie Moser-Hehlen) und Anita (Christine Schwizgebel) mit einigen Turbulenzen rechnen. Dies erfährt auch Professor Winkler (Matthias Moser) auf seiner Visite. Nachdenklich stimmen die Gespräche zwischen Wälti und der Sozialarbeiterin Wenger (Sabrina Kurzen), welche uns die Herausforderungen des Älterwerdens mehr als deutlich vor Augen führen.

Für einen reibungslosen Ablauf hinter den Kulissen sorgen Jolanda Lörtscher als Souffleuse, Fränzi Janz in der Administration, Bethli Perren und Kilian Gobeli an der Kasse sowie Therese Pfund und Ruth Domke beim Schminken. Das Bühnenbild gestalteten Urs Roos und Beat Radelfinger, die Technik liegt bei den beiden zuvor genannten Herren und Franzi Bareuther. Die Webseite betreut Matthias Moser. Das Theaterbistro wird von Sabrina und Rahel Sumi und Jolanda Lörtscher betrieben, die Requisiten stammen von Claudia Gautschi, vom Spital Zweisimmen sowie vom Hiob Hilfswerk Steffisburg. Daneben gibt es viele «gute Seelen» aus den Familien der Mitwirkenden, die in allen Bereichen unterstützen.

«Ich bin froh, dass das, was hier auf der Abteilung passiert, auf einer Theaterbühne stattfindet…»
(Prof. Winkler)
Die Interpretation des Stücks durch den Theaterverein «Szenewächsel» überzeugt. Die Einführung durch die Regisseurin erfolgt bereits in der Rolle der frustrierten Schwester Anita, Schwester Vreni übernimmt etwas positiver gestimmt das Wort, Professor Winkler legt nach und schon sind wir mitten im Geschehen.

Im ersten Teil erfolgt auf leichtfüssig-humorige Weise die Einführung in den Spitallalltag. Mit teils triefender Ironie werden Menschen, Leiden und übel gelauntes Medizinpersonal vorgestellt. Ernstere Zwischentöne weisen auf die Herausforderungen des Alterns hin. Da hat auch der lebenserfahrene Aschi Renfer schwer zu kauen. Die Stimmung der Patienten schwankt, sie vollziehen eine stete Gratwanderung zwischen Selbstbestimmung und Bevormundung. Schliesslich verteilt auch die Koryphäe Professor Winkler Mitgefühl wie Tabletten: in kleinen Dosen und gering dosiert.

Nach dem ersten Szenenwechsel macht sich eine drückende Stimmung breit, welche jedoch Schwestern und Patienten die Möglichkeit gibt, sich von ihrer menschlichen Seite zu zeigen. Auch Privatpatient Stähli trifft mit wenig Enthusiasmus im Dreierzimmer ein – oder ist dies bloss seiner resoluten Frau geschuldet (herrlich inszeniert von Franzi Bareuther, deren heimatlicher Dialekt für die nötige Würze sorgt)? Neue Wendungen lassen uns in die einzelnen Schicksale eintauchen, wir fiebern und leiden mit. Das Stück beleuchtet die diversen Facetten eines Spitalaufenthalts und überzeugt so durch seine Vielseitigkeit. Gerade die ernsteren Passagen stimmen nachdenklich: Alt und nutzlos werden, oder in Zufriedenheit altern? Diese Frage stellt sich nicht nur einmal. Doch mit der richtigen Dosis Witz und Ironie gelingt jeweils der Übergang und die Schauspielerinnen und Schauspieler gewinnen dem Publikum nicht nur einmal ein Lachen ab. Selbst ein Zwischenapplaus bleibt nicht aus.

«Dere wünschen ich ä abverreckti Magespiegelig…!» (Lina Balsiger)
Im letzten Teil wechseln sich lustige Szenen mit enttäuschten Hoffnungen ab und die bereits vertrauten Charaktere vermitteln ein Gefühl des «Sich-Zu-Hause-Fühlens». Neue Beziehungen entwickeln sich, Empörung und unerwartetes Mitgefühl führen zu überraschenden Wendungen, auch Dramatik darf nicht fehlen. Schliesslich zeigt sich, dass Menschlichkeit manchmal mehr hilft als jede Spritze. Der Vorhang fällt etwas unvermittelt und das Publikum dankt mit grossem Applaus.

Wer das Stück noch nicht gesehen hat oder einfach nicht genug bekommt, kann dies noch bis am 26. Oktober 2018 im Gemeindesaal Zweisimmen nach- respektive wiederholen. Die Spieldaten sind im Inserat in der letzten Ausgabe oder online auf der Vereinshomepage einsehbar.

Authentisch und menschlich – das Stück hat von Anfang an überzeugt
Für die Wahl des Stücks fordern Regisseurin Christine Schwizgebel und Vereinspräsident Göpf Janz jeweils von verschiedenen Theaterverlagen eine Auswahl an. Bei der gemeinsamen Lektüre kristallisiert sich dann eine Favoritin heraus. Sei es, weil der Text durch seine Vielseitigkeit, die Thematik oder das Bühnenbild überzeugt. Fehlen Protagonisten, kommen temporär Mitwirkende hinzu. Im Gespräch erläuterte Christine, dass ihr an «Chrankezimmer 212» besonders die Art gefiel, wie es von der Autorin Esther Weidmann umgesetzt wurde: authentisch und menschlich. Viele müssten sich täglich mit ihren Krankheiten in einer fremden Umgebung behaupten – genau wie die Protagonisten im Stück.

Das Bühnenbild stellte eine grosse Herausforderung dar. Schwierig war zum Beispiel die Beschaffung der original Spitalbetten. Wenn die Vereinsmitglieder jedoch etwas begeistere, scheuten sie keinen Aufwand. Das Spital Zweisimmen habe zudem grosszügig die nötigen Materialien ausgeliehen.

Die Verteilung der Rollen ergibt sich bereits bei der Lektüre des Stücks. Entweder stimmt der «Charakter» oder jemand wünscht sich beispielsweise aufgrund anderweitiger Verpflichtungen eine kleinere Rolle. Ausdruck, Körpersprache, Stimme sowie Textsicherheit sind weitere Faktoren, die berücksichtigt werden. Sind die Rollen einmal verteilt, beginnen die Proben: 35–40 Mal pro Saison. Zudem führt die Truppe jeweils ein Intensivwochenende in Sigriswil durch. Dort bleibt auch mehr Zeit, sich in die Figuren einzuleben, deren Emotionen zu spüren und umzusetzen.

Oft gibt man beim Theaterspielen Persönliches preis, was die Freundschaften untereinander stärkt
Meistens finden die Proben jedoch zwei Mal wöchentlich von Mitte Mai bis Mitte Oktober statt. Eine Session dauert jeweils gut zwei Stunden. Das Planen der Proben sei denn auch die grösste Herausforderung, erzählte Christine Schwizgebel. Sie stelle fest, dass mittlerweile alle Mitwirkenden beruflich oder familiär stark eingespannt seien. Auch hätte sie schon Rollen wegen Krankheit oder Schwangerschaft um- oder neu besetzen müssen – so wie auch bei diesem Stück. Ursprünglich war für die Rolle der Schwester Anita jemand anderes vorgesehen, die Regisseurin musste kurzfristig einspringen.

Das Schönste am Theater sei schliesslich das Eintauchen in verschiedene Geschichten, das Ausprobieren der vielseitigen Facetten einer Rolle sowie das glaubhafte Umsetzen der mannigfaltigen Stimmungen. Zudem habe sie als Regisseurin das grosse Glück, tolle und motivierte Menschen um sich zu haben, die alle ihr Bestes gäben.

Die «Szenewächsler» stehen insgesamt sechs Mal auf der Bühne und werden bis zur Dernière über 800 Menschen begeistert haben. Doch nach der Aufführung ist vor der Aufführung und bereits in Kürze wird sich weisen, ob und wie es nächstes Jahr weitergeht.

Erstellt am: 19.10.2018

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